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RFP erstellen: Der praktische Weg zur passenden Anbieterwahl

So erstellen Sie ein RFP: Ziele, Mussanforderungen und Budget klären, eine Shortlist mit 3–8 Anbietern bilden und Angebote per Bewertungsmatrix vergleichen.

RFP erstellen: Der praktische Weg zur passenden Anbieterwahl

Ja, erstellen Sie ein RFP, wenn Ihr Projekt mehrere Lösungswege zulässt und ein Budget im höheren fünf- bis sechsstelligen Bereich vorsieht. Klären Sie zuerst intern Ziele, Muss-Anforderungen und Budgetrahmen, bauen Sie dann eine Shortlist mit drei bis acht Anbietern und nutzen Sie eine feste Bewertungsmatrix für den Vergleich. Für kleinere Vorhaben reicht oft eine einfache Angebotsanfrage.


Kurz gesagt:

  • Bei größeren Projekten mit mehreren Lösungswegen und einem Budget im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich ist ein RFP unerlässlich, um vergleichbare Angebote zu gewährleisten.
  • Ein vollständiges RFP sollte mindestens Projektumfang, Muss- und Soll-Anforderungen sowie einen klaren Bewertungsrahmen enthalten, um eine objektive Auswahl zu ermöglichen.
  • Die Vorbereitung des internen Teams auf Budget, Anforderungen und Anbieter-Shortlist entscheidet über die Qualität des gesamten Beschaffungsprozesses.
  • Die Bewertungskriterien müssen vor Angebotsannahme festgelegt werden, um eine transparente und nachvollziehbare Rangfolge sicherzustellen.
  • Für kleine Vorhaben reicht meist eine einfache Angebotsanfrage; ein formeller RFP lohnt sich erst ab einem Volumen von circa 100.000 Euro.

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Inhaltsverzeichnis

RFP erstellen: Diese Bausteine darf kein Dokument vermissen

Ein RFP steht und fällt mit seiner Struktur. Fehlt ein Baustein, wird der Angebotsvergleich später zum Ratespiel, weil Anbieter unterschiedliche Annahmen treffen und Sie am Ende Äpfel mit Birnen vergleichen.

Ein vollständiges RFP-Dokument enthält laut gängigen Leitfäden mindestens diese Elemente, damit Angebote überhaupt vergleichbar werden:

  • Executive Summary: Projektziel, Erfolgskriterien und der geschäftliche Hintergrund in wenigen Sätzen.
  • Projektumfang: Was ist Teil der Leistung, was ausdrücklich nicht? Diese Abgrenzung verhindert spätere Streitfragen.
  • Anforderungen nach Muss, Soll und Kür: Jede Anforderung braucht ein prüfbares Kriterium, keine vage Formulierung wie „soll benutzerfreundlich sein“.
  • Zeitplan und Fristen: Versanddatum, Frist für Rückfragen, Abgabetermin, geplanter Entscheidungstermin.
  • Einreichungsformat und Ansprechpartner: Dateiformat, maximale Seitenzahl, ein einziger Kontakt für Rückfragen.
  • Preisformat: Verlangen Sie eine einheitliche Kostenaufschlüsselung, etwa nach Einmalkosten, laufenden Kosten und optionalen Modulen.
  • Bewertungsmatrix als Anhang: Anbieter sollten sehen, wie sie bewertet werden. Das erhöht die Qualität der Antworten.

Profi-Tipp: Formulieren Sie jede Muss-Anforderung so, dass ein Anbieter nur mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ antworten kann. Sätze mit „idealerweise“ oder „möglichst“ gehören in die Soll-Kategorie, nicht in die Muss-Liste.

RFP-Prozess Schritt für Schritt: Von der Vorbereitung bis zur Vergabe

Der eigentliche Fehler passiert selten beim Schreiben des Dokuments, sondern davor. Wer ohne interne Klärung startet, lässt am Ende die Verkaufspräsentation der Anbieter über die Entscheidung bestimmen, statt die eigenen Anforderungen. Der größte Wert eines RFPs liegt in dieser internen Vorarbeit, nicht im fertigen Dokument selbst.

So läuft ein strukturierter RFP-Prozess ab:

  1. Interne Vorbereitung: Stakeholder aus Fachbereich, IT und Einkauf setzen sich zusammen, legen Budgetrahmen und Muss-Anforderungen fest.
  2. Shortlist bilden: Drei bis acht Anbieter reichen aus. Weniger liefert keinen echten Vergleich, mehr treibt den Auswertungsaufwand unnötig hoch.
  3. RFP-Dokument erstellen: Klare Sprache, feste Struktur, jede Anforderung mit Prüfkriterium versehen.
  4. Versand und Q&A-Phase: Ein zentraler Kanal für Rückfragen verhindert, dass einzelne Anbieter Wissensvorsprünge bekommen.
  5. Antworten auswerten: Erst grobes Screening gegen K.O.-Kriterien, dann die Nutzwertanalyse für die verbliebenen Angebote.
  6. Demos und Verhandlung: Die besten zwei bis drei Anbieter präsentieren live, offene Preisfragen werden geklärt.
  7. Entscheidung dokumentieren: Bewertungsbögen und Protokolle aufbewahren, das schützt bei internen Nachfragen oder Compliance-Prüfungen.

RFP-Prozesse beanspruchen laut Praxiswerten häufig 30 bis 40 Prozent der gesamten Projektzeit. Wer das unterschätzt, gerät bei Urlaubszeiten oder verzögerten Rückmeldungen schnell unter Druck.

Bewertungskriterien und Nutzwertanalyse richtig aufbauen

Ablauf einer gewichteten Lieferantenbewertung

Eine Bewertungsmatrix funktioniert nur, wenn Gewichtung und Punkteskala vorher feststehen, nicht erst nach Eingang der Angebote. Sonst schleicht sich Bauchgefühl in eine Entscheidung, die eigentlich objektiv sein soll.

Bewährt hat sich folgender Aufbau:

  • Muss-Kriterien machen nur 20 bis 30 % aller Anforderungen aus und wirken als K.O.-Filter: Wer eine Muss-Anforderung nicht erfüllt, fällt sofort aus der Bewertung.
  • Soll-Kriterien erhalten eine Gewichtung, etwa 60 % für funktionale Passung, 25 % für Preis, 15 % für Referenzen und Support.
  • Punkteskala von 0 bis 5 pro Kriterium, multipliziert mit dem Gewichtungsfaktor, ergibt die Gesamtpunktzahl je Anbieter.
  • Audit-Trail: Jede Bewertung sollte schriftlich begründet werden, nicht nur als Zahl stehen.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Erfüllt ein Anbieter das Kriterium „Integrationsfähigkeit“ mit 4 von 5 Punkten und ist dieses Kriterium mit 20 % gewichtet, ergibt das 0,8 gewichtete Punkte. Summiert man alle gewichteten Werte, entsteht eine nachvollziehbare Rangfolge statt einer Bauchentscheidung. Wer seine Kriterien zusätzlich mit Methoden aus dem Lead Scoring vergleicht, erkennt schnell, wie ähnlich strukturierte Bewertungslogik in anderen B2B-Bereichen funktioniert.

Profi-Tipp: Legen Sie die Gewichtung fest, bevor Sie die Angebote überhaupt öffnen. Das verhindert, dass ein bevorzugter Anbieter die Kriterien im Nachhinein unbewusst begünstigt.

RFI, RFQ oder RFP: Welches Dokument passt zu Ihrem Projekt?

Die drei Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber unterschiedliche Phasen der Anbietersuche:

  • RFI (Request for Information): Marktübersicht verschaffen, wenn Sie noch nicht wissen, welche Lösungsansätze überhaupt existieren.
  • RFP (Request for Proposal): Anbieter sollen einen konkreten Lösungsvorschlag mit Preis liefern, geeignet bei mehreren möglichen Herangehensweisen.
  • RFQ (Request for Quotation): Reine Preisabfrage für ein bereits klar definiertes Produkt oder eine Leistung.

Die übliche Reihenfolge lautet RFI, dann RFP, dann RFQ, lässt sich aber überspringen, wenn Sie den Markt bereits gut kennen. Wer ein RFQ verschickt, obwohl noch unklar ist, welche Lösung überhaupt passt, bekommt Preise für Dinge, die sich nicht vergleichen lassen. Als Faustregel gilt: Ein RFP lohnt sich erst, wenn mehrere Lösungswege denkbar sind und das Budget eine formale Auswertung rechtfertigt.

Praxis-Tipps: Häufige Fehler beim RFP erstellen vermeiden

Die meisten Probleme entstehen nicht beim Versand, sondern schon bei der Formulierung.

  1. Alles als Muss markieren. Das verwässert die Aussagekraft der K.O.-Kriterien. Lösung: Nur wirklich unverzichtbare Punkte als Muss kennzeichnen, den Rest gewichten.
  2. Rückfragen laufen per E-Mail durcheinander. Ein zentraler Q&A-Tracker, den alle Anbieter gleichzeitig einsehen können, verhindert Informationsvorsprünge einzelner Bewerber.
  3. Zu viele Anbieter angeschrieben. Begrenzen Sie die Shortlist und setzen Sie feste Fristen, sonst wächst der Auswertungsaufwand exponentiell.
  4. Vorlagen ohne Standardisierung. Ob Sie ein Word-Dokument oder ein Tool wie Asana nutzen, spielt eine geringere Rolle als die Frage, ob Prüfkriterien und Einreichungsformat einheitlich sind.

Profi-Tipp: Ab etwa drei bis vier RFPs pro Jahr lohnt sich eine feste Plattform statt einzelner Dokumente, weil sich Vorlagen, Bewertungen und Kommunikation dann zentral wiederverwenden lassen.

Vorlage und Muster-RFP: So passen Sie sie an Ihr Projekt an

Modulare Anpassung einer RFP-Vorlage

Eine gute RFP-Vorlage enthält feste Abschnitte: Executive Summary, Projektumfang, Anforderungskatalog, Zeitplan, Einreichungsanweisungen und die Bewertungsmatrix als Anhang. Speichern Sie die Vorlage versioniert, etwa als PDF für den Versand und als bearbeitbares Dokument intern, damit Änderungen nachvollziehbar bleiben.

Bei kleinen Projekten reicht eine gekürzte Fassung mit zwei bis drei Seiten. Bei komplexen Vorhaben mit mehreren Fachbereichen lohnt sich ein ausführlicherer Anforderungskatalog mit separaten Abschnitten je Abteilung. Ein kompakter Musteraufbau sieht so aus: Seite eins Zusammenfassung und Ziele, Seite zwei bis drei Anforderungen mit Muss-Soll-Kennzeichnung, letzte Seite Bewertungsmatrix und Einreichungsfrist.

  • Executive Summary
  • Anforderungen mit Prüfkriterien
  • Zeitplan und Fristen
  • Bewertungsmatrix als Anhang

Option: RFP-Management und Partner-Matching mit Venthra

Ein RFP ist nur so gut wie die Anbieter, die es überhaupt erreichen. Wenn Ihre Shortlist zu dünn ist oder Sie mühsam über verschiedene Kanäle nach passenden Partnern suchen, wird der ganze Prozess langsamer als nötig.

Venthra

Venthra verbindet Unternehmen, Freelancer und Projektmanager über ein Matching, das den Kontext Ihrer Ziele versteht statt nur Stichworte abzugleichen. Für die Phase der Shortlist-Bildung heißt das: Sie finden passende Anbieter, ohne Dutzende Profile einzeln zu prüfen. Über 4.800 Kooperationen sind auf diesem Weg bereits entstanden. Sobald Ihre Shortlist steht, helfen die Kommunikations- und Kollaborationswerkzeuge der Plattform, Rückfragen zentral zu dokumentieren, statt sie über verstreute E-Mail-Verläufe zu verwalten. Auch die Verwaltung mehrerer Projektanfragen und Kapazitätsangebote läuft an einem Ort zusammen, was besonders bei mehreren parallelen RFPs pro Jahr Zeit spart. Schauen Sie sich die Venthra-Plattform an oder nehmen Sie direkt Kontakt auf, um zu prüfen, ob passende Partner für Ihr nächstes Projekt bereits auf Venthra aktiv sind.

Quellen

Diese Quellen liefern zusätzliche Details zu Struktur, Zeitaufwand und Prozessschritten:

FAQ

Was versteht man unter einem RFP?

Ein RFP, die Angebotsanfrage, ist ein strukturiertes Dokument, mit dem Unternehmen Anbieter zur Einreichung eines konkreten Lösungsvorschlags samt Preis auffordern. Es enthält Projektziele, prüfbare Anforderungen und eine Bewertungsmatrix, damit die eingehenden Angebote vergleichbar sind.

Ist ein RFP dasselbe wie eine Ausschreibung?

Im Kern ja, ein RFP ist eine Form der Ausschreibung, bei der Anbieter nicht nur einen Preis, sondern einen ganzen Lösungsansatz vorschlagen. Bei öffentlichen Auftraggebern gelten für Ausschreibungen zusätzlich gesetzliche Vergabevorschriften, die über ein rein privatwirtschaftliches RFP hinausgehen.

Was ist der Unterschied zwischen RFP und RFI?

Ein RFI dient der reinen Marktübersicht, wenn noch unklar ist, welche Lösungen überhaupt existieren. Ein RFP setzt voraus, dass Sie den Markt schon kennen und konkrete Lösungsvorschläge mit Preisangabe einholen möchten.

Was unterscheidet ein RFQ von einem RFP?

Ein RFQ fragt ausschließlich den Preis für eine bereits klar definierte Leistung ab, während ein RFP einen ganzen Lösungsvorschlag inklusive Herangehensweise verlangt. RFQ passt also erst, wenn die technische Lösung schon feststeht.

Ab welchem Projektvolumen lohnt sich ein RFP?

Ein formalisierter RFP-Prozess lohnt sich häufig ab einem Projektvolumen von rund 100.000 €, darunter übersteigt der administrative Aufwand meist den Nutzen. Bei kleineren Vorhaben reicht oft eine einfache Angebotsanfrage ohne vollständige Bewertungsmatrix.